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Unterbrechung der Chemotherapieresistenz und des Tumorwachstums mit Chrysanthemen

Die Chrysantheme (Dendranthema morifolium) ist ein blühendes Kraut, das in der chinesischen Kultur seit Jahrhunderten als gesundheitsfördernder Tee und Gemüse geschätzt wird. Neben ihrer kulinarischen Verwendung ist die Chrysantheme reich an bioaktiven Verbindungen wie Flavonoiden, Phenolsäuren und Polysacchariden, denen vielfältige gesundheitliche Vorteile zugeschrieben werden. Studien zeigen, dass ihr Extrakt die Krebsbiologie beeinflussen, den Stoffwechsel unterstützen und die Immunfunktion regulieren kann, was ihren Wert für die integrative Gesundheit unterstreicht.

1. Anti-Krebs-Wirkung

Laborstudien haben gezeigt, dass Flavonoide und Phenolsäuren der Chrysantheme, beispielsweise Luteolin, Apigenin, Rutin und Quercetin, wichtige Signalwege beeinflussen können, die das Tumorwachstum vorantreiben. In Brustkrebsmodellen konnten diese Verbindungen an Östrogen- und Progesteronrezeptoren binden und so hormonelle Signale blockieren, die die Tumorentwicklung stimulieren. Chrysanthemenextrakte zeigten auch eine krebshemmende Wirkung bei verschiedenen Krebszellarten, darunter Prostata-, Magen- und Lungenkrebs, hauptsächlich durch die Auslösung des Selbstzerstörungsprogramms der Zelle namens Apoptose (Abbildung 1).

Interessanterweise können Chrysanthemen auch dabei helfen, eine Chemotherapieresistenz zu überwinden, indem sie P-Glykoprotein (Pgp) hemmen, eine Arzneimitteleffluxpumpe, die Krebszellen verwenden, um Chemotherapeutika auszuscheiden. Durch die Blockierung von Pgp erhöht die Chrysantheme die Arzneimittelretention in arzneimittelresistenten Krebszellen und macht diese so effektiv wieder sensibilisiert für die Chemotherapie. Obwohl Chrysanthemen bisher in keiner klinischen Studie an Krebspatienten getestet wurden, deuten die ermutigenden präklinischen Ergebnisse darauf hin, dass sie als natürliche Ergänzung in der ergänzenden Krebsbehandlung eine unterstützende Rolle spielen könnten.

Abbildung 1. Chrysanthemen-Wirkstoff löst apoptotischen Zelltod in menschlichen Prostatakrebszellen aus. Unter dem Mikroskop erscheinen gesunde Zellen grün, während sterbende Zellen orange oder gelbe Signale aufweisen. Die weißen Pfeile zeigen auf Prostatakrebszellen im Prozess der frühen oder späten Apoptose, die mit steigender Chrysanthemen-Dosis (0, 10, 50 und 150 µM) häufiger auftritt. Quelle: Sun et al. (2017), African Journal of Traditional, Complementary and Alternative Medicine.

2. Modulation der Darmmikrobiota

Aktuelle präklinische Studien zeigen, dass Chrysanthemen die Darmflora so modulieren können, dass sie vor Stoffwechselerkrankungen wie Fettleibigkeit, Fettleber und Diabetes schützen. So zeigte beispielsweise eine Studie aus dem Jahr 2025, ass Chrysanthemenextrakt bei Mäusen, die mit einer fettreichen Diät gefüttert wurden, Fettleibigkeit vorbeugte, indem es das übermäßige Wachstum entzündungsfördernder Darmmikroben eindämmte. Diese Wiederherstellung des Gleichgewichts der Darmflora verringerte systemische Entzündungen, stärkte die Darmbarriere, verbesserte die Blutfettwerte und linderte letztendlich die Gewichtszunahme. In ähnlicher Weise berichteten zwei Studien aus dem Jahr 2024, dass Chrysanthemen die Fettsäureoxidation in der Leber und den Glukosestoffwechsel verbesserten, indem sie die Darmflora regulierten und so der Entwicklung von Fettleber und Diabetes vorbeugten (Abbildung 2).

Die Darmflora wird zunehmend als Eckpfeiler der allgemeinen Gesundheit anerkannt, da sie den Stoffwechsel, die Immunfunktion und die Organgesundheit beeinflusst. Chrysanthemenextrakt unterstützt die Darmflora durch seinen hohen Gehalt an Polysacchariden, die als Präbiotikum wirken und das Wachstum nützlicher Darmbakterien wie Lactobacillus und Bifidobacterium fördern. Nach der Verstoffwechselung durch die Darmmikroben entstehen aus diesen Polysacchariden kurzkettige Fettsäuren (SCFAs), die als wirksame entzündungshemmende Verbindungen wirken, die Darmbarriere stärken und die Stoffwechselgesundheit unterstützen.

Abbildung 2. Wie Chrysanthemenextrakt und Probiotika die Gesundheit von Leber und Stoffwechsel verbessern.

Abbildung 2. Wie Chrysanthemenextrakt und Probiotika die Gesundheit von Leber und Stoffwechsel verbessern. In einem Mausmodell mit ernährungsbedingter Stoffwechselerkrankung veränderte die gleichzeitige Behandlung mit Chrysanthemen und Probiotika die Darmflora, verbesserte die Glukosetoleranz und verringerte die Insulinresistenz. Außerdem wurden Leberwege stimuliert, die die Fettverbrennung (Oxidation von Fettsäuren) verbessern, wodurch die Fettansammlung in der Leber reduziert und einer nichtalkoholischen Fettlebererkrankung (NAFLD) vorgebeugt wurde. Hinweis: Obwohl in dieser Studie die gleichzeitige Behandlung mit Chrysanthemen und Probiotika untersucht wurde, wurden in anderen Studien ähnliche Vorteile auch bei alleiniger Gabe von Chrysanthemen beobachtet. Quelle: Gao et al. (2024), Chinesische Medizin.

3. Immunmodulatorische und entzündungshemmende Wirkungen

Immer mehr Forschungsergebnisse stützen zudem die immunmodulatorische Wirkung von Chrysanthemen. So ergab eine Studie aus dem Jahr 2022, dass aus Chrysanthemen extrahierte Polysaccharide das Wachstum und die phagozytische Aktivität von Makrophagen förderten. Als Teil des angeborenen Immunsystems fungieren Makrophagen als erste Verteidigungslinie, indem sie schädliche Eindringlinge wie Krankheitserreger, abgestorbene Zellen und sogar Krebszellen verschlingen (d. h. phagozytieren). Insbesondere werden Chrysanthemen-Polysaccharide als potenzielle Impfstoffadjuvantien zur Steigerung der Immunantwort und der Impfstoffwirksamkeit erforscht.

Im Rahmen ihrer immunmodulatorischen Rolle können Chrysanthemen auch eine übermäßige Immunaktivierung dämpfen. Präklinische Untersuchungen zeigen, dass Chrysanthemenextrakt überaktive Immunaktivitäten bei chronischen Entzündungskrankheiten wie entzündlichen Darmerkrankungen, Dermatitis (Hautentzündung) und Peritonitis (Bauchdeckenentzündung) unterdrücken kann. Solche entzündungshemmenden Wirkungen decken sich mit einer frühen klinischen Studie, in der Chrysanthemenextrakt bei Patienten mit Kniearthrose (Gelenkentzündung) im Vergleich zur Placebogruppe Schmerzen linderte und die körperliche Funktion verbesserte. In dieser Studie wurden keine Nebenwirkungen festgestellt, was für die Sicherheit von Chrysanthemenextrakt spricht. Insgesamt deutet die Literatur darauf hin, dass Chrysanthemen zur Aufrechterhaltung des Immungleichgewichts beitragen und sowohl die schützende Immunität als auch die Entzündungskontrolle unterstützen.